Rodopite ist tot – es lebe Rodopite!

Mirko SchwanitzBlog

Das Bild zeigt eine Innenansicht des Gebäudes der alten Dorfschule. In etwa drei Metern höhe umläuft eine hözerne Galerie die linke Wand bis zur gegenüberliegenden Stirnseite des Raumes. Sie wird von Balken gestützt. im Vordergrund stehen in vier Doppelreihen moderne Tische. Hinter jedem Tisch stehen flippige grüne Stühle. UNterhlab der hölzernen Galerie ist ein weißes Sideboard zu sehen. Es entsteht der Eindruck eines modernen Seminarraumes in einem uralten Gemäuer.

Rodopite ist tot – es lebe Rodopite!

Nach Absage des Ortes Kovacevica hat die Suche nach einem neuem Standort für das geplante „Europäische Begegnungs- und Schulungszentrum für junge Umweltschützer ‚Rodopite‘“ begonnen. Vom 15. bis 19. September besuchen Vertreter der Bigent gUG mehrere Gemeinden in den bulgarischen Rhodopen, die Interesse an dem Projekt haben. Das Vorhaben, das als eines der wichtigsten Projekte für den Umweltschutz und die Umweltbildung der letzen Jahre in Bulgarien angesehen werden kann, soll nicht aufgegeben werden.

von Maria Zogravetz

Redopite

Die seit mehr als 15 Jahren verwaiste Dorfschule von Kovacevica

Ein Jahr Projektentwicklung liegen hinter der Bigent gUG. Auf Bitte des Bürgermeisters von Kovacevica hatte die gemeinnützige deutsche Unternehmergesellschaft einen Plan zur Revitalisierung der seit mehr als 15 Jahre leerstehenden und ungenutzten Dorfschule und damit zu einem wichtigen Projekt für den Umweltschutz und die Umweltbildung in Bulgarien erarbeitet. Mit Rodopite hat ein modernes europäisches Projekt Gestalt angenommen. Es sollte aus dem ehrwürdigen Gemäuer ein „Begegnungs- und Schulungszentrum für junge Umweltschützer“ machen, ein Zentrum für die Umweltbildung von Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und jungen Fachexperten und damit wichtig für den Umweltschutz im Land. Dafür sollten die bereits vorhandenen Übernachtungsplätze für Schulklassen erweitert, eine Zwischenetage für ein Museum und ein Dorfinformationszentrum eingebaut, im Untergeschoss ein moderner Schulungsraum geschaffen werden.

Das Bild zeigt eine Innenansicht des Gebäudes der alten Dorfschule. In etwa drei Metern höhe umläuft eine hözerne Galerie die linke Wand bis zur gegenüberliegenden Stirnseite des Raumes. Sie wird von Balken gestützt. im Vordergrund stehen in vier Doppelreihen moderne Tische. Hinter jedem Tisch stehen flippige grüne Stühle. UNterhlab der hölzernen Galerie ist ein weißes Sideboard zu sehen. Es entsteht der Eindruck eines modernen Seminarraumes in einem uralten Gemäuer.

Im ehemaligen Klassenraum sollte ein variierbarer Seminarraum entstehen

Mehr noch: die Shitalishte, der alte „Dorflesesaal“, sollte ins das Projekt integriert werden. Hier sollten sich in Zukunft eine moderne und von allen Ortsbesuchern nutzbare “Umwelt- und Dorfbibliothek” sowie die Büros für den Manager des Schulungszentrums und die Natur- und Wildnispädagogen befinden, die den Kindern und Jugendlichen die Anliegen von Umweltschutz und Umweltbildung nahebringen sollen.

Ein alter großer Raum. Licht fällt durch die geöffnete Eingangstür auf die alten Holzdielen. Im Zentrum des Raumes steht ein gußeisernes Öfchen. ein hohes gebogenes Ofenrohr verschwindet in der gegenüberliegenden, weiß gekalkten Wand. An der steht ein uraltes Bücherregal mit vielen verstaubten und offenbar schon lange nicht mehr gelesenen Büchern. Im Vordergrund ein großer Tisch mit alten Zeitungen und diversen Papieren.

So sieht die alte Shitalishte, der alte Dorflesesaal heute aus

Kovacevica torpediert ein wichtiges Dorfentwicklungsprojekt für den Umweltschutz in Bulgarien

„Jeder Schritt des Vorhabens war mit Kiril Shuglev, dem Bürgermeister des Dorfes, abgestimmt. Die Bürgermeisterin der Gesamtgemeinde, Minka Kapitanova, ist stets informiert worden“, sagt Mirko Schwanitz, Geschäftsführer der Bigent gUG. Er hat das Projekt maßgeblich entwickelt. „Wir haben eine Arbeitsgemeinschaft aus drei bulgarischen und zwei deutschen Nichtregierungsorganisationen als Kooperationspartner geformt, um das Umweltschutz Projekt mit Spenden und know how zu realisieren. Wir haben uns gefreut, das es uns gelungen ist, Bulgariens größte Umweltschutz Organisation, die ‚Biodiversity Foundation‘, als Partner zu gewinnen. In Bulgarien hat dieses Vorhaben das Potential, sich zu einem der wichtigsten Projekte für den Umweltschutz und einem bedeutenden Standort für die Umweltbildung von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und jungen Fachexperten zu entwickeln.” Am 18. September waren die Vertreter dieser Arbeitsgemeinschaft nun eingeladen, das Projekt vor dem Rat der Gemeinde Grmen, zu der Kovacevica gehört, vorzustellen. Da das Schulgebäude sich nicht im Besitz des Dorfes, sondern im Besitz der Gemeinde befindet, ist die Zustimmung des Gemeinderates zu solch einem Projekt zwingend erforderlich. Angestrebt werden sollte ein zehnjähriger Mietvertrag zu einer symbolischen Miete. Im Gegenzug sollte das Gebäude erhalten, modernisiert und zu einem wichtigen Ort für das Dorf- und Gemeindeleben sowie den Umweltschutz in der Region werden. Darüber hinaus sollten Arbeitsplätze geschaffen werden – auch im Dorf.

Vor blauem Himmel steht ein massives drei Etagen hohes zweiflügligens Gebäude. In der Mitte, auf dem Dach weht die bulgarische und die Europafahne. Vor dem Gebäude erstreckt sich ein öder Platz, geplastert mit großen grau-roten Betonfliesen.

Das Rathaus der Gemeinde Grmen – hier sollte das Projekt am 18. September vorgestellt werden

Nichts von alledem wird stattfinden. Kurz nach Bekanntwerden des Gemeinderatstermins, wurde der Bigent gUG vom Bürgermeister in Kovacevica mitgeteilt, dass der Vorstand der Nichtregierungsorganisation „Architekturreservat Kovacevica“ plötzlich gegen das Umweltschutz – Projekt sei. In der Schule solle nun nur noch ein Museum entstehen, in dem vorhandene alte Tafeln zur Dorfgeschichte sowie landwirtschaftliches Gerät und Trachten gezeigt werden sollen. Der Geschäftsführer der Bigent gUG, Mirko Schwanitz, will die Entscheidung in Kovacevica nicht kommentieren. „Vor einigen Monaten erst fragte mich der Bürgermeister, ob wir nicht eine große Werbetafel vor der Schule aufstellen könnten, um das Umweltschutz – Projekt vorzustellen. Ich wies darauf hin, dass wir nichts ankündigen können, bevor die Gemeinde uns keinen Mietvertrag für das Gebäude zugesichert und die Nichtregierungsorganisation ‚Architekturreservat Kovacevica‘ die endgültigen Kalkulationen für den Umbau vorgelegt habe.“ Auf die Frage, ob die Kovacevicaer denn inzwischen die Kalkulationen vorgelegt hätten, schüttelt Schwanitz den Kopf.

Die Absage ist ein Vertrauensbruch und traurig für den Umweltschutz in der Region

Der Geschäftsführer der Bigent gUG hatte in den letzten Wochen mit mehreren Ratsvertretern aus anderen Orten der Gemeinde Kontakt, um für das Umweltschutz – Projekt zu werben und war optimistisch, dass das Projekt die Zustimmung der Gemeindevertreter bekommen hätte. Die Einladung in den Gemeinderat war auch ein Ergebnis dieser Gespräche. Rossitza Djambasova, Leiterin der beteiligten Nichtregierungsorganisation „Business Inkubator“ aus Goce Delcev, die selbst schon zahlreiche europäische und lokale Entwicklungsprojekte in der Region realisierte, lobte das besonnene, ruhige und vor allem professionelle Vorgehen der deutschen Partner von der Bigent gUG. Auch wenn sich Mirko Schwanitz nicht zu einer Bewertung des Vorgangs bewegen ließ, so kann die Art und Weise, wie die Absage erfolgte, von den deutschen und bulgarischen Partnern doch nur als Vertrauensbruch gewertet werden. Sie widerspricht nicht nur den europäischen Umgangsformen, sondern auch allen Gepflogenheiten der internationalen Zusammenarbeit. So fanden die an der Entscheidung beteiligten Vertreter des Dorfes nicht den Mut, die Projektpartner einzuladen und ihnen ihren plötzlichen Sinneswandel zu erklären, sondern stellten sie vor vollendete Tatsachen. Gleichzeitig wird in Kovacevica das Gerücht gestreut, dass “die Deutschen” in einem Jahr nichts auf die Reihe bekommen hätten. „Erst vor kurzem war mit dem Bürgermeister der Einbau einer Zwischenetage und deren Nutzung als Museum und Dorfinformationszentrum vereinbart und besprochen worden. Wir sind sofort in Vorleistung gegangen, haben die architektonischen Entwürfe anfertigen lassen und den Bürgermeister gebeten, die noch ausstehende Kostenkalkulation entsprechend zu ergänzen.“

Zu sehen ist ein Architekturentwurf für die Zwischenetage der alten Dorfschule. Ein halbrunder Empfangstresen und Infostand empfängt den Besucher, die Holzdecke zur oberen Etage wird durch zwei mächtige Holzbalken gestützt. Im Hintergrund sind kleine Tische mit Naturexponaten und Computerbildschirmen zu sehen, eine Art interaktiver kleiner Museumsbereich. Der Fußboden bsteht aus mächigen alten Holzdielen, die dem Raum warm erscheinen lassen.

Entwurf des ins Projekt aufgenommenen Dorfinformationszentrums mit Museumsbereich

Die Suche nach einem neuen Standort für das Umweltschutz – Projekt hat begonnen

Nur noch einmal zur Klarstellung: Es war das Dorf, das die deutschen Helfer um Unterstützung bei der Revitalisierung der alten Dorfschule gebeten hatte, nachdem diese mehr als 15 Jahre nicht genutzt wurde. „Für uns“, sagte Schwanitz, „war das gar keine Frage. Schließlich kennen wir die Vertreter des Dorfes seit fast zehn Jahren. Die Absage kam für uns völlig überraschend. Wir haben unseren Auftritt im Gemeinderat nun abgesagt und wünschen dem Dorf Erfolg bei der Einrichtung seines Museums. Es macht keinen Sinn, ein Projekt in einem Dorf zu realisieren, wenn das Dorf nicht hinter dem Projekt steht.“

Zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Arbeit mit bulgarischen Partnern haben die deutschen Helfer aber offenbar gelehrt, nie nur auf ein Pferd zu setzen. So erklärte Mirko Schwanitz, dass die Bigent gUG bereits mit Beginn der Projektarbeiten Gespräche auch mit anderen Rhodopen-Gemeinden geführt habe. Mehrere Gemeinden hätten damals ebenfalls Interesse bekundet. „Das Projekt als solches funktioniert überall, auch wenn wir es gern in der griechisch-mazedonisch-bulgarischen Grenzregion gesehen hätten.“ Tatsächlich standen die Chancen, dass ein solches Projekt durch den Regionalentwicklungsfond der EU gefördert werden würde, gut. Nicht nur diese Unterstützung hat Kovacevica mit seiner Entscheidung nun aufs Spiel gesetzt. Für das Dorf dürfte es in Zukunft noch schwieriger werden, für Projekte Zustimmung im Gemeinderat zu bekommen. Denn die Gemeinde hatte sich, so war zu hören, von dem Projekt Entwicklungsimpulse über Kovacevica hinaus versprochen.

Nun reisen ehrenamtliche Experten der Bigent gUG vom 15. bis 19. September erneut nach Bulgarien, diesmal in die Zentral-Rhodopen. Ihr Ziel: Das Projekt soll nun an einem anderen Ort realisiert werden. Getreu dem Motto: Rodopite ist tot – es lebe Rodopite!

Ein liebliche grüne Landschaft. Im Vordergrund sanft gewellte Wiesen in sattem, in der Sonne leuchtenden Grün. Dahinter, im Zentrum des Bildes ein Taleinschnitt an dessen Ränder Nadelbäume zu sehen sind. Im Hintergrund, fast am Horizont erheben sich zwei Gipfel, darüber schwebt ein schmaler Streifen grauen Himmels.

Rodopite ist tot – es lebe Rodopite!

Nach Absage des Ortes Kovacevica hat die Suche nach einem neuem Standort für das geplante „Europäische Begegnungs- und Schulungszentrum für junge Umweltschützer ‚Rodopite‘“ begonnen. Vom 15. bis 19. September besuchen Vertreter der Bigent gUG mehrere Gemeinden in den bulgarischen Rhodopen, die Interesse an dem Projekt haben. Das Vorhaben, das als eines der wichtigsten Projekte für den Umweltschutz und die Umweltbildung der letzen Jahre in Bulgarien angesehen werden kann, soll nicht aufgegeben werden.

von Maria Zogravetz

Redopite

Die seit mehr als 15 Jahren verwaiste Dorfschule von Kovacevica

Ein Jahr Projektentwicklung liegen hinter der Bigent gUG. Auf Bitte des Bürgermeisters von Kovacevica hatte die gemeinnützige deutsche Unternehmergesellschaft einen Plan zur Revitalisierung der seit mehr als 15 Jahre leerstehenden und ungenutzten Dorfschule und damit zu einem wichtigen Projekt für den Umweltschutz und die Umweltbildung in Bulgarien erarbeitet. Mit Rodopite hat ein modernes europäisches Projekt Gestalt angenommen. Es sollte aus dem ehrwürdigen Gemäuer ein „Begegnungs- und Schulungszentrum für junge Umweltschützer“ machen, ein Zentrum für die Umweltbildung von Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und jungen Fachexperten und damit wichtig für den Umweltschutz im Land. Dafür sollten die bereits vorhandenen Übernachtungsplätze für Schulklassen erweitert, eine Zwischenetage für ein Museum und ein Dorfinformationszentrum eingebaut, im Untergeschoss ein moderner Schulungsraum geschaffen werden.

Das Bild zeigt eine Innenansicht des Gebäudes der alten Dorfschule. In etwa drei Metern höhe umläuft eine hözerne Galerie die linke Wand bis zur gegenüberliegenden Stirnseite des Raumes. Sie wird von Balken gestützt. im Vordergrund stehen in vier Doppelreihen moderne Tische. Hinter jedem Tisch stehen flippige grüne Stühle. UNterhlab der hölzernen Galerie ist ein weißes Sideboard zu sehen. Es entsteht der Eindruck eines modernen Seminarraumes in einem uralten Gemäuer.

Im ehemaligen Klassenraum sollte ein variierbarer Seminarraum entstehen

Mehr noch: die Shitalishte, der alte „Dorflesesaal“, sollte ins das Projekt integriert werden. Hier sollten sich in Zukunft eine moderne und von allen Ortsbesuchern nutzbare “Umwelt- und Dorfbibliothek” sowie die Büros für den Manager des Schulungszentrums und die Natur- und Wildnispädagogen befinden, die den Kindern und Jugendlichen die Anliegen von Umweltschutz und Umweltbildung nahebringen sollen.

Ein alter großer Raum. Licht fällt durch die geöffnete Eingangstür auf die alten Holzdielen. Im Zentrum des Raumes steht ein gußeisernes Öfchen. ein hohes gebogenes Ofenrohr verschwindet in der gegenüberliegenden, weiß gekalkten Wand. An der steht ein uraltes Bücherregal mit vielen verstaubten und offenbar schon lange nicht mehr gelesenen Büchern. Im Vordergrund ein großer Tisch mit alten Zeitungen und diversen Papieren.

So sieht die alte Shitalishte, der alte Dorflesesaal heute aus

Kovacevica torpediert ein wichtiges Dorfentwicklungsprojekt für den Umweltschutz in Bulgarien

„Jeder Schritt des Vorhabens war mit Kiril Shuglev, dem Bürgermeister des Dorfes, abgestimmt. Die Bürgermeisterin der Gesamtgemeinde, Minka Kapitanova, ist stets informiert worden“, sagt Mirko Schwanitz, Geschäftsführer der Bigent gUG. Er hat das Projekt maßgeblich entwickelt. „Wir haben eine Arbeitsgemeinschaft aus drei bulgarischen und zwei deutschen Nichtregierungsorganisationen als Kooperationspartner geformt, um das Umweltschutz Projekt mit Spenden und know how zu realisieren. Wir haben uns gefreut, das es uns gelungen ist, Bulgariens größte Umweltschutz Organisation, die ‚Biodiversity Foundation‘, als Partner zu gewinnen. In Bulgarien hat dieses Vorhaben das Potential, sich zu einem der wichtigsten Projekte für den Umweltschutz und einem bedeutenden Standort für die Umweltbildung von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und jungen Fachexperten zu entwickeln.” Am 18. September waren die Vertreter dieser Arbeitsgemeinschaft nun eingeladen, das Projekt vor dem Rat der Gemeinde Grmen, zu der Kovacevica gehört, vorzustellen. Da das Schulgebäude sich nicht im Besitz des Dorfes, sondern im Besitz der Gemeinde befindet, ist die Zustimmung des Gemeinderates zu solch einem Projekt zwingend erforderlich. Angestrebt werden sollte ein zehnjähriger Mietvertrag zu einer symbolischen Miete. Im Gegenzug sollte das Gebäude erhalten, modernisiert und zu einem wichtigen Ort für das Dorf- und Gemeindeleben sowie den Umweltschutz in der Region werden. Darüber hinaus sollten Arbeitsplätze geschaffen werden – auch im Dorf.

Vor blauem Himmel steht ein massives drei Etagen hohes zweiflügligens Gebäude. In der Mitte, auf dem Dach weht die bulgarische und die Europafahne. Vor dem Gebäude erstreckt sich ein öder Platz, geplastert mit großen grau-roten Betonfliesen.

Das Rathaus der Gemeinde Grmen – hier sollte das Projekt am 18. September vorgestellt werden

Nichts von alledem wird stattfinden. Kurz nach Bekanntwerden des Gemeinderatstermins, wurde der Bigent gUG vom Bürgermeister in Kovacevica mitgeteilt, dass der Vorstand der Nichtregierungsorganisation „Architekturreservat Kovacevica“ plötzlich gegen das Umweltschutz – Projekt sei. In der Schule solle nun nur noch ein Museum entstehen, in dem vorhandene alte Tafeln zur Dorfgeschichte sowie landwirtschaftliches Gerät und Trachten gezeigt werden sollen. Der Geschäftsführer der Bigent gUG, Mirko Schwanitz, will die Entscheidung in Kovacevica nicht kommentieren. „Vor einigen Monaten erst fragte mich der Bürgermeister, ob wir nicht eine große Werbetafel vor der Schule aufstellen könnten, um das Umweltschutz – Projekt vorzustellen. Ich wies darauf hin, dass wir nichts ankündigen können, bevor die Gemeinde uns keinen Mietvertrag für das Gebäude zugesichert und die Nichtregierungsorganisation ‚Architekturreservat Kovacevica‘ die endgültigen Kalkulationen für den Umbau vorgelegt habe.“ Auf die Frage, ob die Kovacevicaer denn inzwischen die Kalkulationen vorgelegt hätten, schüttelt Schwanitz den Kopf.

Die Absage ist ein Vertrauensbruch und traurig für den Umweltschutz in der Region

Der Geschäftsführer der Bigent gUG hatte in den letzten Wochen mit mehreren Ratsvertretern aus anderen Orten der Gemeinde Kontakt, um für das Umweltschutz – Projekt zu werben und war optimistisch, dass das Projekt die Zustimmung der Gemeindevertreter bekommen hätte. Die Einladung in den Gemeinderat war auch ein Ergebnis dieser Gespräche. Rossitza Djambasova, Leiterin der beteiligten Nichtregierungsorganisation „Business Inkubator“ aus Goce Delcev, die selbst schon zahlreiche europäische und lokale Entwicklungsprojekte in der Region realisierte, lobte das besonnene, ruhige und vor allem professionelle Vorgehen der deutschen Partner von der Bigent gUG. Auch wenn sich Mirko Schwanitz nicht zu einer Bewertung des Vorgangs bewegen ließ, so kann die Art und Weise, wie die Absage erfolgte, von den deutschen und bulgarischen Partnern doch nur als Vertrauensbruch gewertet werden. Sie widerspricht nicht nur den europäischen Umgangsformen, sondern auch allen Gepflogenheiten der internationalen Zusammenarbeit. So fanden die an der Entscheidung beteiligten Vertreter des Dorfes nicht den Mut, die Projektpartner einzuladen und ihnen ihren plötzlichen Sinneswandel zu erklären, sondern stellten sie vor vollendete Tatsachen. Gleichzeitig wird in Kovacevica das Gerücht gestreut, dass “die Deutschen” in einem Jahr nichts auf die Reihe bekommen hätten. „Erst vor kurzem war mit dem Bürgermeister der Einbau einer Zwischenetage und deren Nutzung als Museum und Dorfinformationszentrum vereinbart und besprochen worden. Wir sind sofort in Vorleistung gegangen, haben die architektonischen Entwürfe anfertigen lassen und den Bürgermeister gebeten, die noch ausstehende Kostenkalkulation entsprechend zu ergänzen.“

Zu sehen ist ein Architekturentwurf für die Zwischenetage der alten Dorfschule. Ein halbrunder Empfangstresen und Infostand empfängt den Besucher, die Holzdecke zur oberen Etage wird durch zwei mächtige Holzbalken gestützt. Im Hintergrund sind kleine Tische mit Naturexponaten und Computerbildschirmen zu sehen, eine Art interaktiver kleiner Museumsbereich. Der Fußboden bsteht aus mächigen alten Holzdielen, die dem Raum warm erscheinen lassen.

Entwurf des ins Projekt aufgenommenen Dorfinformationszentrums mit Museumsbereich

Die Suche nach einem neuen Standort für das Umweltschutz – Projekt hat begonnen

Nur noch einmal zur Klarstellung: Es war das Dorf, das die deutschen Helfer um Unterstützung bei der Revitalisierung der alten Dorfschule gebeten hatte, nachdem diese mehr als 15 Jahre nicht genutzt wurde. „Für uns“, sagte Schwanitz, „war das gar keine Frage. Schließlich kennen wir die Vertreter des Dorfes seit fast zehn Jahren. Die Absage kam für uns völlig überraschend. Wir haben unseren Auftritt im Gemeinderat nun abgesagt und wünschen dem Dorf Erfolg bei der Einrichtung seines Museums. Es macht keinen Sinn, ein Projekt in einem Dorf zu realisieren, wenn das Dorf nicht hinter dem Projekt steht.“

Zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Arbeit mit bulgarischen Partnern haben die deutschen Helfer aber offenbar gelehrt, nie nur auf ein Pferd zu setzen. So erklärte Mirko Schwanitz, dass die Bigent gUG bereits mit Beginn der Projektarbeiten Gespräche auch mit anderen Rhodopen-Gemeinden geführt habe. Mehrere Gemeinden hätten damals ebenfalls Interesse bekundet. „Das Projekt als solches funktioniert überall, auch wenn wir es gern in der griechisch-mazedonisch-bulgarischen Grenzregion gesehen hätten.“ Tatsächlich standen die Chancen, dass ein solches Projekt durch den Regionalentwicklungsfond der EU gefördert werden würde, gut. Nicht nur diese Unterstützung hat Kovacevica mit seiner Entscheidung nun aufs Spiel gesetzt. Für das Dorf dürfte es in Zukunft noch schwieriger werden, für Projekte Zustimmung im Gemeinderat zu bekommen. Denn die Gemeinde hatte sich, so war zu hören, von dem Projekt Entwicklungsimpulse über Kovacevica hinaus versprochen.

Nun reisen ehrenamtliche Experten der Bigent gUG vom 15. bis 19. September erneut nach Bulgarien, diesmal in die Zentral-Rhodopen. Ihr Ziel: Das Projekt soll nun an einem anderen Ort realisiert werden. Getreu dem Motto: Rodopite ist tot – es lebe Rodopite!

Ein liebliche grüne Landschaft. Im Vordergrund sanft gewellte Wiesen in sattem, in der Sonne leuchtenden Grün. Dahinter, im Zentrum des Bildes ein Taleinschnitt an dessen Ränder Nadelbäume zu sehen sind. Im Hintergrund, fast am Horizont erheben sich zwei Gipfel, darüber schwebt ein schmaler Streifen grauen Himmels.